Zu Tränen gerührt

von Dr. Albert Kapune

Die Schüler des Literaturkurses der Stufe Q2 des Aldegrever-Gymnasiums gestalteten den literarischen Abend

»Jeder vierte nach Deutschland importierte Wein kommt aus Frankreich, jede zwölfte Praline in Frankreich kommt aus Deutschland«, erklärten die Schüler des Literaturkurses der Stufe Q2 des Aldegrever-Gymnasiums zur Einleitung des literarischen Abends, der ganz unter dem Stern der deutsch-fanzösischen Freundschaft stand. Im Rahmen des Besuchs des Mémoire Avenir Chapelle Française de Soest, dem französischem Partnerverein der Geschichtswerkstatt Französische Kapelle Soest, versammelten sich Deutsche und Franzosen unter dem Dach des Gebäudes 3 der Adam-Kaserne. In der ehemaligen Lageruniversität, in der sich während des zweiten Weltkrieges schon die gefangenen Offiziere der Kunst und Literatur widmeten, stellten die Alde-Schüler Texte deutscher und französischer Autoren vor.

 

»Es soll deutlich werden, dass Deutschland und Frankreich heute eine starke Freundschaft verbindet, ohne dabei zu vergessen, dass dies auch einmal anders war«, erklärte Linda Keil, Lehrerin am Aldegrever Gymnasium. Die französischen Texte präsentierten Schüler des Französisch- Kurses der Einführungsphase. Musikalisch untermalte Werner Lindner, der ebenfalls am Aldegrever Gymnasium unterrichtet, mit seinem Akkordeon die Lesungen. »Ich finde es wichtig, dass man sich für die gemeinsame Geschichte interessiert und sich damit beschäftigt, denn so können wir Europa für die Zukunft stärken«, sagte Karen Vogelsang, Schülerin der Q2. Organisiert wurde die Literaturstunde von der Geschichtswerkstatt Französische Kapelle Soest in Kooperation mit dem Aldegrever-Gymnasium. »Natürlich sollen auch die jungen Leute eingebunden werden und sich für die Geschichte begeistern, deshalb haben wir gemeinsam mit zwei Kursen des Gymnasiums ein literarisches Programm entwickelt«, erklärte Karin Burghardt, Mitglied der Geschichtswerkstatt und Mitorganisatorin. Die Lesung von französischen Klassikern, wie Das Märchen vom Zylinderhut vom zweisprachigen Autor George-Arthur Goldschmidt, begeisterte das Publikum. Ein Highlight war zudem der Vortrag des Liedtextes Göttingen von der französischen Sängerin Barbara, welches Linda Keil und Christiane Stadler im Wechsel auf Deutsch und Französisch, musikalisch begleitet von Werner Lindner, zum Besten gaben. Die deutsch-französische Lesung der Schüler, die selbstsicher und mit viel Emotionen die Texte wiedergaben, verursachten auch bei den französischen Gästen des MACS einige Gefühle. Zu Tränen gerührt saßen die Kinder und Enkelkinder der damals gefangenen Offiziere in der Lageruniversität und verfolgten die Darbietungen.

 

»Es war sehr interessant und die Atmosphäre war sehr schön. Aber man denkt auch daran, wie es früher gewesen sein muss, als die Kriegsgefangenen hier gelernt und Theaterstücke aufgeführt haben«, berichtete Diana Burghardt, Schülerin des Literaturkurses, die Texte deutscher Autoren vortrug. Zum Dank für ihr Engagement erhielten die Schüler einen Kinogutschein und die beteiligten Lehrer eine Flasche französischen Wein. Der MACS war vier Tage zu Gast in Soest, gemeinsam mit der Geschichtswerkstatt verfolgten sie ein buntes Programm, zusammengestellt aus historischen und kulturellen Veranstaltungen. Das Treffen der Partnervereine findet jährlich statt, dieses Jahr beteiligte sich aber erstmals das Alde mit einem Programmpunkt.

 

Soester Anzeiger, 29.10.2014 (lea)

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