Zittern vor dem Physiklehrer
von Dr. Albert Kapune
18 junge Männer legten im Frühjahr 1960 am Aldegrevergymnasium ihr Abitur ab – jetzt, nach 50 Jahren, trafen sich 15 von ihnen zum Jubeltreffen wieder. Zwar gab es bereits ein Wiedersehen vor 25 Jahren, doch die Goldabiturienten mussten manchmal zweimal hinschauen, um den ehemaligen Klassenkameraden wieder zu erkennen. Ulrich Piesendel, Karl Heinz Jäker und Dr. Hans-Jürgen Seidel begaben sich gut ein Jahr lang auf Spurensuche und organisierten das Klassentreffen, das mit einem abwechslungsreichen Programm garniert war: Mittagessen im Pilgrimhaus, Planwagenfahrt durch die alte Hansestadt, Turmbesteigung der Petrikirche, Besichtigung der alten »Penne«, Ausklang im »Wilden Mann«.
»Vor 50 Jahren sind wir zum Abitur auch mit dem Planwagen durch Soest gerollt«, erinnern sich die drei. Überhaupt standen die Erinnerungen beim Klassentreffen hoch im Kurs. Im Zentrum der »Dönekes«: der damalige Physiklehrer. »Wir haben alle vor ihm gezittert«, erzählt Dr. Hans-Jürgen Seidel. »Er war autoritär, sehr wissenschaftlich aber nicht sehr pädagogisch.« Manchmal habe er sogar im Physikvorbereitungsraum geschlafen. Und für manche Versuche im Physikraum auch geraucht.
Die Goldabiturienten erinnern sich noch gut an das einzige Mädchen am Aldegrever, das zu dieser Zeit noch ein reine Jungenschule war. Doch für die Tochter des Direktors wurde wohl eine Ausnahme gemacht. Eine Klasse des Mädchen- Lyzeums kam zum Alde, um hier Chemieunterricht zu erhalten. »Man achtete aber streng darauf, dass die Mädchen kamen und gingen, wenn Unterricht war, damit wir in den Pausen keinen Kontakt knüpfen konnten«, schmunzelt Ulrich Piesendel heute. Für die Goldabiturienten, die teilweise aus München, Kiel, Hamburg und Wiesbaden kommen, war das Treffen ein schöner Ausflug in ihre alte Heimatstadt und früheres Schülerleben.
Soester Anzeiger, 16.04.2010 (agu)
