»Wer das versteht, hat ’ne Eins verdient«

von Dr. Albert Kapune

Elliptische Funktionen

Etwa 45 Minuten dauert der Mathematikvortrag von Universitätsprofessor Dr. Werner Hoffmann am Montag Morgen: Der rasante Ritt führt durch das steinige Gelände der elliptischen Funktionen, vorbei an Differentialgleichungen, elliptischen Kurven, Schnittmengen von Zylindern im dreidimensionalen Raum, Newtonschen Grundgesetz, Pendelkräften, Sinus amplitudinis und Additionstheoremen.

 

Und obwohl der Professor der »reinen Mathematik« anhängt, der »theoretischen Mathematik« also, nennt er auch die praktische Anwendung seiner schwer begreifbaren, weil abstrakten Funktionen: Online-Banking und Kryptographie, digitale Verschlüsselungsmethoden also. Eine der einfachen Gleichungen lautet (xÂ?+yÂ?)’ = 2xx’ + 2yy’ = -2xy + 2yx = 0.

 

Alles klar?

 

Wenn nicht, dann ist das für die Mathe-Leistungskursler aus der 12. Stufe des Aldegrever-Gymnasiums aber auch kein Problem: Schließlich ist der Vortrag von Werner Hoffmann nicht prüfungsrelevant. Er soll auch nicht abschrecken, ganz im Gegenteil: Vielmehr soll der gestrige Ausflug die Schüler für ein Mathematikstudium an der Universität Bielefeld begeistern, soll quasi ein Appetitmacher sein.

 

Zum Glück ist Professor Werner Hoffmann nicht alleine gekommen: Mathematikstudentin Katharina Watenphul, sechstes Semester, ist ebenfalls zu Besuch im Aldegrever-Gymnasium. Katharina hört sich den Vortrag ihres Professors geduldig an, bevor sie dann selber aufsteht und die komplizierte Einführung relativiert: »Als Mathematikstudent braucht man nicht zu erwarten, dass man die Vorlesungen versteht«, erklärt die sympathische Brünette.

 

Und, bezogen auf den gerade beendeten Vortrag von Werner Hoffmann: »Wer das zusammenfassen kann, braucht morgen die Klausur nicht zu schreiben – der hat nämlich ’ne Eins verdient!«

 

Während der Professor für den fachkundigen Einblick zuständig ist, gibt die Studentin eine Übersicht über die Organisation des Bachelorstudiums an der Universität Bielefeld. Die Vertreterin der studentischen Fachschaft erklärt den Sinn von Vorlesungen und Tutorien und dass zu den 22 Semesterwochenstunden noch mindestens 20 Stunden Vor- und Nacharbeit gerechnet werden müssen. »Der eine macht’s schneller, der andere langsamer. Aber es schadet nicht, sich auch am Wochenende ein paar Stunden dafür freizuhalten.«

 

Die Schüler selbst interessiert vor allem, »ob man das alles lernen muss«, wenn man nur Mathematiklehrer werden will. Die diplomatische Antwort des Professors: »Es kommt darauf an: Als Grundschullehrer nicht unbedingt. Als Gymnasiallehrer auf jeden Fall.«

 

Nach dem Vortrag sind die Meinungen der Schüler recht gespalten. »Es war sehr informativ«, sagt Jens Golze (17). »Aber es hat mich persönlich nicht sehr viel weitergebracht.« Jens ist unentschlossen, weiß noch nicht, ob er Mathematik, Informatik oder doch lieber Biologie studieren soll. Eines Studiums an der Universität Bielefeld wäre er allerdings, trotz des »erschlagenden Vortrags«, »nicht generell abgeneigt.«

 

Soester Anzeiger, 05.10.2010 (dpz)

Zurück