»Voll fett hier im Hilton«
von Dr. Albert Kapune
Die Folgen des Vulkan-Ausbruchs in Island bekommt derzeit auch eine Schüler-Gruppe des Soester Aldegrever-Gymnasiums hautnah zu spüren. Die Pennäler wollten nach ihrem zweiwöchigen USA-Aufenthalt gestern eigentlich im Flieger nach Deutschland sitzen. Doch der Flug ist gecancelt, weil die Maschine derzeit in Deutschland nicht landen kann. Die Schülergruppe mit den Lehrern Willi Reuvers und Cheryl Klawitter ist allerdings komfortabel untergebracht: Sie sitzt im New Yorker Hilton-Hotel fest.
»Anruf aus dem Hotel »hörte sich ganz entspannt an«
Sekunden vor dem Abflug der Abbruch. Die 21 Primaner saßen bereits an Bord der Lufthansa-Maschine auf dem New Yorker Flughafen Newark, als der Pilot über die Lautsprecher vom Vulkanausbruch auf Island erzählte. Die Folge: Der Flieger, der die Alde-Schüler nach Düsseldorf bringen sollte, bekam erst gar keine Startfreigabe, weil er in Deutschland nicht hätte landen können und unterwegs auf der Atlantik-Route durch die Vulkanasche hätte düsen müssen. Die Eltern der Schüler in Soest – es war Donnerstagabend kurz nach 23 Uhr – wähnten derweil ihre Kinder in der Luft und wollten sie eigentlich gestern Morgen in Düsseldorf beziehungsweise zwei Stunden später in Soest in Empfang nehmen. Thomas Nübel, einer der Väter: »Ich lag bereits im Bett, als ich die Nachricht erhielt.« Die Telefonkette unter den 21 Eltern hatte prima funktioniert. Später hatte Nübel auch seine Tochter Juliane direkt am Telefon und erfuhr: Alle sind wieder ausgestiegen und kurzerhand nach Manhattan zurückgefahren, wo ihnen die Airline Betten im Hilton-Hotel besorgt hatte. Nübel: »Das hörte sich ganz entspannt an.«
»Für die Kinder ist das ein besonderes Erlebnis«
Muss es wohl auch sein. Jannis König, ein anderer Alde-Schüler, informierte über die Internet-Plattform Facebook derweil seinen Freundeskreis: »Enjoys his time at hilton hotel in new york lufthansa has to pay for after our flight back was cancelled due to the volcano eruption. Just had dinner with life music ...« Auf gut Deutsch: Voll fett hier im Hilton, Lufthansa zahlt die Zeche wegen des ausgefallenen Rückflugs, man habe sich gerade ein ordentliches Essen mit Live-Musik gegönnt. Auch Alde-Schulleiter Martin Burghardt wähnt seine Schüler gut aufgehoben: »Für die Kinder ist das ein besonderes Erlebnis!« Und: »Vielleicht sind sie Samstagnachmittag wieder zurück.« Das allerdings ist im Moment nur eine vage Hoffnung. Denn der Flieger der Soester ist nicht der einzige, der in New York am Boden blieb. Erstens ist noch nicht klar, wann der Luftraum zwischen Amerika und Europa wieder (asche-)frei ist. Zweitens haben viele Tausend Europäer in den vergangenen zwei Tagen von Amerika aus nicht starten können. Weil es in der Kürze der Zeit kaum zusätzliche Maschinen gibt und die planmäßigen Jets ohnehin gut ausgelastet sind, muss der Berg der wartenden Passagiere erst mal abgetragen werden.
Das Hilton in New York ist freilich nicht die schlechteste Adresse, um ein paar Tage in der Metropole an der US-Ostküste dranzuhängen. Hoffentlich hat Alde-Schüler Jannis König recht, dass Lufthansa zahlt. Denn pro Nacht kassiert die Nobel-Herberge 390 Dollar fürs feine Stübchen.
Soester Anzeiger, 17.04.2010 (hs)
