Untersuchung von Tier-Orakeln
von Dr. Albert Kapune
Erinnern Sie sich noch an die letzte WM? Deutschland schaut gebannt auf die Bildschirme und drückt ihrer Mannschaft die Daumen … und das obwohl die Ergebnisse ja schon vorher feststanden: Mit prophetischer Genauigkeit sagte eine Krake in Oberhausen die Ergebnisse aller Spiele voraus. Dazu schwamm das Tier zu einer von zwei Boxen, in denen jeweils Muschelfleisch lag. Auf den Boxen befanden sich Nationalflaggen. Die Box der Mannschaft, dessen Muschelfleisch Paul zuerst fraß gewann schließlich das Spiel. Doch was konnte der mittlerweile verstorbene Paul wirklich? Hatte er nur Glück beim Tippen der acht Spielausgänge? Oder ging es hier nicht mit rechten Dingen zu?
Nils Behnke und Dominik Preußer stellten sich die Frage, ob das Wahlverhalten – in Abhängigkeit vom Angebot – von Tieren absehbar ist. Tiere könnten z. B. eine bestimmte Richtung oder Farbe bevorzugen. Dazu planten sie folgenden Versuchsaufbau: Tieren (Katze, Pferd und Affe) wurde Nahrung angeboten – und zwar jeweils insgesamt zehnmal hintereinander. Die Ergebnisse wurden im Anschluss mit Mitteln der Statistik ausgewertet. »Mit Hilfe einer Simulation konnten wir Grenzen bestimmen, ab der wir von einer signifikanten Abweichung ausgehen. In unserem Fall war das, wenn sich ein Tier 9mal oder 10mal für eine Seite entschieden hat.« erklärt Dominik Preußer.
Tatsächlich fanden sie heraus, dass in der Regel keine Richtung (links oder rechts) bevorzugt wird. Es gab lediglich einen Fall, in dem eine Vorliebe auftrat: Der untersuchte Affe mochte rot besonders gerne. Nils Behnke: »Dabei war es egal, ob die Nahrung rot oder ein Gegenstand rot war.«
Was bedeutet dieses Ergebnis? Tatsächlich könnte man – wenn ein Tier auf bestimmte Merkmale achtet – seine Auswahl manipulieren. Den Gewinner eines Profifußballspiels soll man z. B. ganz gut vorhersagen können, wenn man die Spielergehälter addiert: Die teurere Mannschaft gewinnt häufig. So wäre es möglich, ein recht treffsicheres Orakel zu installieren. Dieser Idee kann nun leider nicht realisiert werden – außer wenn die Mannschaften mit rot in der Flagge auch die besser bezahlten wären.
Übrigens: Der Mathematiklehrer Dr. Pallack hat im Fall Paul bereits vor zwei Jahren recherchiert: Paul könnte tatsächlich Glück gehabt haben, da man auf ihn erst recht spät (nach dem 5. Spiel) aufmerksam wurde. Es gab hunderte von Tierorakeln; die Wahrscheinlichkeit dass eines 5 Spiele richtig tippt ist vergleichsweise hoch. Die Wahrscheinlichkeit drei Spiele in Folge richtig zu tippen ist nur wenig geringer als eine 6 zu würfeln. Bei den letzten Spielen behaupten böse Zungen sogar, dass Paul Deutschland den WM-Titel gekostet hat. Schließlich könnte er durch seine Auswahl auch Einfluss auf die Spieler und damit auf das Spiel genommen haben – aber das ist natürlich pure Spekulation.
