So fühlt sich Politik an

von Dr. Albert Kapune

Planspiel Europa

»Erdogan will seine Macht in der Türkei ausweiten. Durch das Blockieren zum Beispiel von Facebook ist der türkische Präsident der Diktatur einen Schritt näher gekommen.« Scharfe Worte wurden gestern am Aldegrever-Gymnasium von den Schüler der Einführungsphase (Klasse 10) ausgesprochen. Die jungen Leute nahmen am »Planspiel Europa – Fokus Balkan« teil. Die gut 100 Schüler der Jahrgangsstufe wurden in zwei Gruppen geteilt und schlüpften in die Rollen von Abgeordneten und repräsentierten Länder der EU.

 

»In diesem Rollenspiel erfahren die Schüler spielerisch, wie es sich anfühlt, Politik zu machen, Argumente anzubringen, zu diskutieren und zu verhandeln«, sagen Florian Aue und Sebastian Gratz vom Civic-Institut für internationale Bildung in Düsseldorf, das das Planspiel entwickelt hat. Unterstützt werden sie von Jan Kleinheinrich und Fabian Fascher von der Konrad-Adenauer-Stiftung sowie von den Alde-Lehrern Dr. Christian Krampe und Willi Reuvers. Simuliert wird die Arbeit des EU-Parlaments, der EU-Kommission und des Eurapäischen Rats. Am Mittwoch und Donnerstag ging es um das konkrete Thema »Gewährung des Beitritts-Kandidatenstatus« für die Türkei und die Balkan-Staaten Kosovo, Serbien und Montenegro. Einige der Schüler argumentierten für die Staaten, die der EU gerne beitreten würden. »Wir repräsentieren die Türkei. Das Hintergrundmaterial, das wir für unsere Argumente brauchen, haben wir gestellt bekommen«, erzählen Helge Haveresch und Nico Stratenschulte. Die beiden haben sich für die Rolle eines Bewerberlandes beworben – das jeweilige Land wurde ihnen zugewiesen. »Wir sind zufrieden, die Türkei zu sein, denn da passiert zurzeit eine Menge.«

 

Ilayda Ziegert und Merle Potthoff sind das Presseteam. »Das wollte keiner so gerne machen, aber wir finden es ganz interessant. Wir führen Interviews, leiten Talkshows, schreiben Berichte über die Debatten und Beschlüsse und heften sie an die Pinnwand«, erklären die Mädchen. Man lernt die Abläufe in der politischen Gremien der EU gut kennen, so die Meinung der jungen Leute. »Das Planspiel haben wir schon mehrfach mit Erfolg durchgeführt«, sagt Lehrer Dr. Krampe. Später fahren die Schüler dann nach Brüssel, um die Arbeit vor Ort kennen zu lernen.

 

Soester Anzeiger, 12.09.2014 (agu)

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