Schnupperkurs in hoher Politik
von Dr. Albert Kapune
Drei Tage im Zeichen der EU: 200 Aldegrever-Schüler machten bei einem Planspiel mit
Drei Tage lang war die Europäische Union beherrschendes Thema am Aldegrever-Gymnasium: Von Dienstag bis Donnerstag machten 200 Schüler mit beim »Planspiel EU-Erweiterung«. Dabei dauerten die Diskussionen teilweise bis spät in den Nachmittag, obwohl die Schüler zu dieser Zeit schon lange frei hatten.
Die Jugendlichen aus den Stufen 10 und 11 schlüpften in die Rolle von fiktiven Politikern. Jeder von ihnen präsentierte verschiedene europäische Länder, darunter Deutschland, Frankreich, Spanien – das Establishment der Europäischen Union. Auf der »Gegenseite« befanden sich die Volksvertreter der Balkanstaaten Serbien, Bosnien-Herzegowina und Montenegro, die in die EU eintreten wollten. Ein sinnvolles Unterfangen? Und wenn ja, für wen? Die Schüler diskutierten leidenschaftlich über das pro und contra. Die Diskussionen wurden kritisch begleitet von der – ebenfalls fiktiven – Presse, die während der drei Tage eine »Flaschenpost« und den »Euroexpress« veröffentlichte.
Jan Schäfer (17) aus der 11. Stufe wurde als »James Bond« vom Ratsvertreter Großbritanniens zum Ratspräsidenten gewählt. Vor dem Planspiel fiel es ihm schwer, zu verstehen, welche EU-Institution welche Funktionen hat. »Doch jetzt ist das Verständnis wesentlich besser. Ich habe viel gelernt. Die Zusammenarbeit im Rat hat super geklappt. Wir alle waren überrascht, dass wir unerwarteterweise viel Spaß gehabt haben.«
Marie Eickhoff (16) musste als Vertreterin Bosnien-Herzegowinas einen Antrag an den Rat stellen. Anschließend wurde ihr Vorhaben kritisch beäugt. Während des Planspiels habe sie sich »richtig reingesteigert«. Maries Fazit: »Es hat auf jeden Fall eine Menge gebracht. Jetzt kann ich einige Sachen viel länger im Kopf behalten.«
Das EU-Planspiel wurde von Marlene Küster, Thomas S. Regnet und Bettina Schmitt geleitet. Die Dozenten engagieren sich freiwillig für die Konrad-Adenauer-Stiftung. »Die Ziele sind, dass die Schüler in die Rollen der Politiker schlüpfen und verstehen lernen, wie die europäische Integration funktioniert. Wohin geht die Reise für die Länder auf dem Balkan? Diese und andere Fragen haben wir ausführlich behandelt«, sagte Bettina Schmitt.
Mit dem Verlauf des Planspiels waren auch die Lehrer zufrieden: »Viele Schüler sagten mir: Es ist viel spannender als gedacht«, stellte Christian Krampe fest.
Soester Anzeiger, 17.09.2010 (dpz)
