Romeo and Juliet

von Dr. Albert Kapune

Romeo and Juliet

Warum heute ausgerechnet Shakespeare aufführen?

 

Diese Frage haben die Schülerinnen und Schüler des Projektkurses Shakespeare unter der Leitung von Cheryl Klawitter ganz schnell beantwortet. Die Geschichte von »Romeo and Juliet« fasziniert (junge) Menschen auch heute noch, weil eine unglückliche Liebe, die tragisch endet heute immer noch möglich ist. Nur sind die Kontrahenten dann eher Mitglieder von unterschiedlichen Gangs oder Mitglieder unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen. Der mittellose südländische Romeo gespielt von Luka Bogumil in lässigem Streetstyle verliebt sich so in die gutbetuchte, wohlsituierte blonde Julia, gefühlvoll umgesetzt von Josefine Eck. Ihre strengen Eltern Capulet, Julias Vater authentisch umgesetzt von Sarah Kleegräfe und Alina Vogel, die kühle zurückgesetzte Mutter Lady Capulet stehen den Vorstellungen der Tochter unbeugsam entgegen. Verständnis allein findet Julia allein bei ihrer Nurse, sehr echt interpretiert von Rebecca Zöller, die dieses lebensfrohe Vollweib bis in Detail verkörpert. So wird die ausgerichtete Feier hauptsächlich unterbrochen durch eingespielte Musik von den Goo Goo Dolls und Romeos Zusammentreffen auf Julia. Der Vogelgesang auf dem Schulhof und die Bezüge hierauf mischen sich perfekt in dem Dialog. Die beiden spielen das klassische Liebespaar sehr zart und herzergreifend. In der berühmten Balkonszene muss der Zuschauer den Blick nach oben in den ersten Stock heben und wie im »Globe« entsteht die Spannung auch über diese Entfernung.

 

Der sich anbahnende Konflikt wird durch die Freunde von Romeo Benvolio (Chantal Groneberg), Mercutio (Moritz Hettwer) und Balthasar (Laura Nickel) angestachelt. Hier kommt es in Folge dessen zu mehreren tödlichen Auseinandersetzungen und es fließt sogar echtes Blut während Mercutio bühnenreif stirbt. Aber nicht nur echtes Blut lässt den Zuschauer erstarren, auch die düstere Atmosphäre bevor Julia beschließt den betäubenden Trunk zu nehmen, den Sister Laurentia (Elisa Stumpf) so listenreich zusammengebraut hat. Das Verwirrspiel mit Sister Johanna (Dana Imort) endet, bei dem noch weitere Akteure die Konsequenzen eines sinnlosen Familienstreites spüren, mit dem Tod. Eindrucksvoll wird dies dargestellt von Tybalt (Gereon Luckey) und Paris (Marielle Bürk).

 

Die jungen Schauspieler haben sich ganz persönlich mit ihren Rollen identifiziert und diese verändert. So lassen sie vergessen, dass das Stück schon so alt ist und die Faszination des Momentes legt sich auf die düstere Stimmung, in der die Liebenden, unglücklich voneinander getrennt, sich das Leben nehmen. Mit minimalen Effekten wird diese Stimmung aufgebaut. So verschwindet die schlafende Julia auf einem Bett im Abgang zum Keller. Während Romeo ihren reglosen Körper aus dieser unterirdischen Gruft heraufträgt und die Bühne nur mit Kerzenlicht und Bühnenrauch erleuchtet ist. »Die Schüler haben eine unglaubliche Leistung vollbracht und diese komplexe Sprache verkörpert.« So meint Cheryl Klawitter. Der Zuschauer hat hier wirklich die geballte Ladung der Sprache Shakespeares abbekommen und wird durch die moderne und zugleich echte – weil wie zu Zeiten Shakespeares minimale – Inszenierung nur auf die Sprache fokussiert.

 

Die Frage: Warum Shakespeare? stellt sich keiner mehr nach diesem eindrucksvollen Abend.

 

Judith Kühnen

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