Launeschminke – eine Marktlücke?
von Dr. Albert Kapune
Morgens im Bus: Man fragt jemanden nach der Uhrzeit und bekommt eine böse Antwort. Mittags in der Pause: Ist das wohl ein guter Moment, um Marie zu fragen, ob sie beim Aufräumen hilft? Menschen drücken ihre Gefühle und Stimmungen nicht immer offensichtlich aus. Was würden Sie davon halten, wenn Ihre Schminke ihre Stimmung spiegeln würde?
Aileen und Anabel haben sich genau das gefragt. »In einem fiktiven Film haben wir ein Make-Up gesehen, das sich der Stimmung anpasst. Wir wollten wissen, ob so etwas tatsächlich geht.« leitet Aileen das Gespräch ein. Wenn man sich aufregt verändert sich die Hauttemperatur – manchmal schwitzt man, weswegen sich die Feuchtigkeit der Haut verändert. Wir können es nicht verhindern: Auf unserer Haut passieren chemische Reaktionen. Tatsächlich gibt es Materialien, die ihre Farbe verändern. Man findet sie in Stimmungsringen oder auch in Thermometern von Aquarien. Doch lassen sich diese Materialien auch für Schminke verwenden?
Die beiden Schülerinnen starteten systematisch und wollten erst einmal wissen, wie man überhaupt Schminke herstellt. Wie echte Wissenschaftlerinnen schränkten sie ihre Frage ein, bis sie untersuchbar wurde: Anabel: »Spannend war für uns die Färbung des Augenlids. Zum einen reagiert hier die Haut schnell auf Veränderungen, zum anderen blicken die Mitmenschen einem meist in die Augen.« Doch die ersten Versuche zur Produktion von Lidschatten waren ernüchternd. Stoffe aus Stimmungsringen sind giftig, wenn man sie aus ihrer festen Verbindung löst. Andere Versuche ergaben Farbwechsel im sehr hohen Temperaturbereich – völlig ungeeignet für den Menschen. Herr Plattfaut – Chemielehrer am Aldegrever-Gymnasium – unterstützte die beiden Jungforscherinnen und trug Sorge, dass sie sich keiner Gefahr aussetzten. So konnten Aileen und Anabel selbstständig in der Gewissheit arbeiten, dass ihre chemischen Versuche sicher sind. Nun haben die beiden tatsächlich erste Ansätze – allerdings funktionieren die Versuche zu Gleichgewichtsreaktionen erst im Reagenzglas. Für ihre Studien untersuchten sie auch bereits existierende Produkte. Allerdings entsprachen diese nicht den Qualitätsstandards, die sie für ihre Entwicklung erzielen wollten.
Das Projekt wurde im Rahmen eines Mathematik-Projektkurses entwickelt. Denn eigentlich war es ihre Aufgabe zu untersuchen, ob die Soester Bürgerinnen Interesse an einem solchen Produkt hätten. »Viele denken, dass bei statistischen Untersuchungen einfach Menschen befragt werden und man dann Prozentzahlen angibt. Das wäre jedoch nicht seriös, da nur eine Auswahl betrachtet würde. Für aussagekräftige Ergebnisse sollten Befragungen repräsentativ sein. Genau das war das ursprüngliche Ziel: Eine repräsentative Umfrage zu entwickeln, durchzuführen und auszuwerten.« erklärt Dr. Pallack, der den Projektkurs am Aldegrever-Gymnasium leitet. Diese Aufgabenstellung meisterten die beiden mit Bravour und in sehr kurzer Zeit. Ein zentrales Ergebnis: Die wichtige Zielgruppe von 16 bis 49 Jahren ist offen für so ein Produkt. Zur Auswertung gewichteten sie ihre Stichprobe unter Berücksichtigung von Daten, die sie von der Stadt Soest erhielten.
»Wir haben das Produkt Cameleon genannt, weil wir unserem ganzen Projekt noch einem Namen verleihen wollten. Das Produkt ist nach dem Tier Chamäleon benannt, weil das auch seine Farbe ändert und sich seiner Umgebung anpasst. Auch der Lidschatten soll seine Farbe ändern und sich so der jeweiligen Stimmung des Trägers anpassen.« erläutert Aileen. Das Motto: »Cameleon unterstreicht deine Stimmung.« Sie erfanden auch das Maskottchen Camy (siehe Bild), das vor allem am Tag der offenen Tür bei den jungen Besuchern gut ankam. Sie betrieben Marktforschung und Produktentwicklung. Stehen hier also zwei junge Firmenchefinnen vor uns? Das ist nicht ihr Anspruch. Zwar fänden Aileen und Anabel es prima, wenn sie ihre Idee bis zur Produktreife entwickeln könnten – aber der Spaß an der Arbeit und das Wissen eine besondere Fragestellung zu bearbeiten sind ihnen erst einmal Motivation genug.
