In der Hochburg des Wissens

von Dr. Albert Kapune

Recherche in der Unibibliothek Dortmund

Dunkle, lange Gänge – tausende von Büchern, die in kargen Kellern lagern – so hatte man sich eine Universitätsbibliothek nicht vorgestellt. Trotz – oder vielleicht auch gerade wegen – dieses spröden Charmes entwickelte sich im Laufe dieser Exkursion Verständnis für die Prinzipien wissenschaftlichen Arbeitens.

 

Vier Jungforscherinnen und Dr. Andreas Pallack, Mathematiklehrer am Aldegrever-Gymnasium, fuhren für ihre Recherchen zur Universität Dortmund. »Wenn man noch nie eine Universitätsbibliothek gesehen hat fällt es schwer zu glauben, woran Forscher in aller Welt zeitgleich arbeiten und wie ihre Erkenntnisse gesichert werden. Diese Exkursion dient dem Aufbau des Grundverständnisses und der Vermittlung einfacher Recherchetechniken, die später weiter ausgebaut werden können«, erläutert Dr. Pallack.

 

Das erste und wichtigste ist es, das Signatursystem zu verstehen. Jedes Buch und jede Zeitschrift ist mit einem unverwechselbaren Code versehen. Anhand dieses Codes kann man das Gebäude, die Etage, das Regal und anschließend auch die Platzierung des Buches erkennen. Gesucht wird mit Hilfe des Computers. Die Techniken reichen vom Stöbern im Katalog bis zur Nutzung fachspezifischer Datenbanken, deren Bedienung einige Vorkenntnisse erfordert.

 

Nadine Moschkelewski und Lena Tubes, Trägerinnen des Jugend-Forscht Sonderpreises für zerstörungsfreie Materialprüfung, bereiten bereits ihren nächsten Jugend-Forscht-Beitrag vor. Sie suchten Fachliteratur zu den Themen Wasser und Textilverarbeitung. Den größten Teil des Tages verbrachten sie in der Fachbibliothek Chemie, die außerhalb der Zentralbibliothek liegt.

 

Laura Mähler und Marie Sanders bereiten ihre Präsentation für die Landesrunde vor. Dabei konzentrierten sie sich auf die Sichtung von Artikeln zum Bakterium Vibrio fischeri. Sie fanden eine sehr spezifische Doktorarbeit sowie einen Artikel, der ihr langfristiges Ziel – eine Apparatur zu entwickeln, die mit Hilfe von Leuchtbakterien dauerhaft leuchtet – in den Blick nimmt, aber die eigentliche Herausforderung ihres Projektes noch nicht löst. »Der aktuellste Artikel zu diesen Thema ist aus dem Jahr 2006 – die Schülerinnen befinden sich also am Puls der Zeit«, erklärt Andreas Pallack – »Das bedeutet jedoch auch, dass die Schülerinnen sich in aktuellste Erkenntnisse und Methoden einarbeiten müssen – so etwas wird normalerweise erst von Studierenden ab dem 5. Semester erwartet. Man benötigt dafür eine hohe Frustrationsschwelle.«

 

Zudem sind nahezu alle Texte in Englisch und gespickt von Fachvokabular. Das ist jedoch für Wissenschaftler der einzige Weg, ihre Erkenntnisse schnell in der ganzen Welt zu verbreiten: Sie schreiben für Zeitschriften, die Gutachter beauftragen und die Arbeiten bewerten. Erscheinen die Artikel schließlich, kann man davon ausgehen, dass eine handvoll Spezialisten sicher ist, dass es sich um neue Erkenntnisse handelt, die wissenschaftliche Standards einhalten. Das ist auch der Grund, warum der Fall Guttenberg die Wissenschaft so beschäftigte: Als Forscher ist man darauf angewiesen, dass dieses Wissen solide ist – sind zu viele Steine marode, bricht das Gebäude der Wissenschaft zusammen.

 

Die erste Hürde ist nun genommen – die Schülerinnen finden sich im komplexen System einer Universitätsbibliothek zurecht. Als nächstes stehen nun fachspezifische Kategoriensysteme auf dem Plan. Diese muss man kennen, um wissenschaftliche Datenbanken angemessen nutzen zu können.

 

Auch wenn das Gebäude mit den vielen, vielen Büchern imposant wirkt – eigentlich wird das Buch selbst immer unwichtiger; meint zumindest Dr. Pallack: »Im Gegensatz zu meiner Studienzeit an der Universität, in der zigtausende von Kopien erstellt wurden, scheint Papier immer unwichtiger zu werden. Die Schülerinnen konnten Material kostenlos scannen – viele Artikel können von Universitätscomputern direkt auf USB-Sticks geladen werden. Die Bibliotheken haben in den letzten Jahren wahnsinnige Schritte nach vorn gemacht. Die Recherche ist deutlich komfortabler geworden.«

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