Hans Kaiser auf der Spur

von Dr. Albert Kapune

Hans-Kaiser-Projekt

Am Anfang stand ein Ärgernis: die Opakglas-Mosaikwand, die Hans Kaiser 1957 für das Aldegrever-Gymnasium schuf. »Das Werk wurde eigens für die Schule entworfen, aber kein Schüler oder Lehrer nimmt es mehr richtig wahr«, stellte Kunstlehrerin Christiane Düllmann fest. Als sehr ungünstig empfand sie auch die Lage unmittelbar hinter dem Kellerabgang, in den ein Besucher unwillkürlich als erstes blickt. Obendrein ist der ganze Eingangsbereich der Schule stark renovierungsbedürftig.

 

Diese Situation reizte die Kunstlehrerin schon lange zur künstlerischen Auseinandersetzung. Jetzt steckte sie mit ihrer Begeisterung und ihrem Tatendrang auch den Kunst-Grundkursus der Jahrgangsstufe 13 an. Die jungen Leute nahmen im Oktober ein intensives und arbeitsaufwändigen Projekt in Angriff. Sie machten sich mit Leben und Werk des Soester Künstlers (1914–1982) vertraut und erarbeiten zurzeit als Reaktion zu dem Mosaik in ihrer Schule ein eigenes beleuchtetes Glasobjekt. Das soll demnächst den unerfreulichen Kellerabgang kaschieren.

 

Mit Kaiser kennen sich die Schüler mittlerweile bestens aus. Denn selbstverständlich haben sie in Soest fast alle zugänglichen Arbeiten des Künstlers angeschaut, wie das Fensterband in der Johanneskirche, die Fenster in der Dom-Krypta und das Mosaik am Haus Haverland. Sie besuchten auch das Hammer Gustav-Lübcke-Museum, in dem Kaisers künstlerischer Nachlass seit 2002 aufbewahrt wird. Und sie schauten sich Kurt Schaumanns Filmporträt des Künstlers an.

 

Auf Einladung des Hans-Kaiser-Kreises arbeiteten die Schüler im Künstlerhaus Paulistraße. Hier stellten sie die Entwürfe für ihr eigenes Glasobjekt her. Die Idee dabei: Elemente des Kaiser-Mosaiks werden mit neuen, organischen Formen kombiniert. Bei diesem Objekt werden die jungen Leute übrigens vom Soester Glaskünstler Wolfgang Klee unterstützt.

 

Während ihrer Arbeit in der Paulistraße bekamen die Aldegrever-Gymnasiasten Besuch von Kaiser-Tochter Anna Berger-Felix, die sich sehr interessiert zeigte und viel über ihren Vater zu berichten wusste.

 

Kunstlehrerin Christiane Düllmann ist begeistert vom Engagement ihrer Schüler und freut sich: »Sie haben einen Zugang zu ungegenständlicher Kunst gefunden, was für diese Altersklasse sehr ungewöhnlich ist.« Das Projekt soll in einem Band dokumentiert werden. Außerdem ist im Frühjahr eine Ausstellung im Künstlerhaus geplant. Am kommenden Dienstag ist das Kaiser-Projekt Thema im Kulturausschuss, denn Christiane Düllmann hat 2000 Euro Fördermittel bei der Stadt beantragt.

 

Soester Anzeiger, 09.12.2009 (Text: bs, Bild: Dahm)

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