Geisterstunde auf der Bühne

von Dr. Albert Kapune

Die Darsteller des Musicals

Die Muppets plagten sich schon mit dem alten Geizhals herum, Jim Carry spielte vor zwei Jahren in der jüngsten Verfilmung ihn und alle Geister zugleich, für Bill Murray wurde die Handlung in die Gegenwart und für Jack Palance in den wilden Westen verlegt, und Disneys Onkel Dagobert heißt im Original Scrooge McDuck. Nun kommt Scrooge ans Alde.

 

Er bringt neue Musik mit, aber auch seine alte Muttersprache: Englisch. »Christmas is Humbug«, singt der Chor. Weihnachten ist Humbug. So sieht es zumindest Ebenezer Scrooge, Hauptfigur in Charles Dickens vermutlich berühmtester Geschichte, die so oft verfilmt wurde wie kaum ein anderer Stoff. Ein menschenverachtender Geschäftsmann, so knickrig und knausrig, dass Onkel Dagobert, dem er als Vorlage diente, im Vergleich wie ein generöser Gönner und Menschenfreund wirkt. In der Weihnachtsnacht bekommt er besuch von diversen Geistern, die ihn in die eigene Vergangenheit, aber auch in die Zukunft führen, um aus ihm einen besseren Menschen zu machen. Und nun wird er einmal mehr vom Geist der Weihnacht heimgesucht – und vom Geist der schulübergreifenden Kooperation. Denn wenn sich am 10. Dezember erstmals der Vorhang in der Alde-Aula hebt, so ist die Schule zwar der Gastgeber. Durchgeführt wird die Inszenierung jedoch von allen drei Gymnasien gemeinsam. Die Idee dazu hatten das Lehrerehepaar Christina und Thomas Jacob. Sie ist Referandarin für Musik und Englisch, er unterrichtet am Alde und leitet die Theater-AG, hat mit ihr in wenigen Jahren schon mehrere Stücke und Improtheater-Shows auf die Bühne gebracht.

 

»Inspiriert ist das Projekt einerseits von den gemeinsamen Schulmusiktagen der drei Gymnasien«, erzählt Christina Jacob. »Wir fanden, so etwas sollte man viel öfter machen, um die Kooperation zu fördern, anstatt sich zu messen, wer die beste Schule ist. Diese strikte Trennung wollten wir auflösen – und so ein Musical ist der passende Anlass.« Die zweite Quelle die Inspiration war ihre eigene englischsprachige Theater- AG am Archi: »Die wollten gerne mal was Größeres aufführen und sind obendrein sehr sangesfreudig.« Quelle Nummer drei: »In unserer Heimat, Halle an der Saale, gibt es schon seit Jahren eine Weihnachts-Show. Wenn wir es schaffen, hier eine ähnliche Tradition zu entwickeln, fände ich das großartig.«

 

Und so sieht die »Aufgabenverteilung« aus. Die Darsteller kommen aus den beiden Theatergruppen. Das Archi ist für die Musik zuständig, indem Christina Jacob selber die Musik komponiert hat: »Im Sommer, bei 30 Grad im Schatten. Ich habe warten müssen, bis es dunkel war, denn gleichzeitig Grillen und sich auf das Schreiben von Weihnachtsmusik konzentrieren – das ging einfach nicht.« Es ist nicht das erste mal für sie, in Halle hat sie bereits für ein Musical zu »Alice im Wunderland« die Musik verfasst. Außerdem steuert das Archi einen Chor bei, geleitet von Raynhild Hartung-Weier. »Vom Convos sind leider nur zwei Leute dabei, das liegt an der großen räumlichen Distanz zu Alde und Archi«, bedauert Christina Jacob. »Hoffentlich sind es beim nächsten Mal mehr.«

 

Ideen gebe es schon, wie es nach den Aufführungen weitergeht, die bleiben aber noch unter Verschluss. Die Story bleibt originalgetreu, auch in der Originalzeit – und in der Originalsprache. Naja, fast. »Wir haben es in einem sehr einfachen Englisch verfasst und es sogar den Jahrgängen angepasst«, betont Christina Jacob. »Ein Fünftklässler spricht also in einem Englisch, dass dem der fünften Klasse entspricht. Außerdem legen wir Vokabellisten ins Prorammheft und spielen mit großen Gesten, so dass dennoch jeder die Handlung nachvollziehen kann. Meine Kollegin vom Alde, Cheryl Klawitter, eine Muttersprachlerin, war mir eine große Hilfe dabei.« Für ihren Mann ist es das erste Musical. Thomas Jacob: »Danach brauche ich erst einmal etwas Ruhe.« An Überstunden rein für diese Produktion hat er schon die Hundertermarke geknackt. »Aber trotz alledem macht es wirklich Spaß, ich hätte die Mischung aus Musik und Theater für komplizierter gehalten. Mein Problem ist eher die Sprache, denn seit der Schule hatte ich nicht mehr viel mit Englisch zu tun.«

 

Ein ständiges Problem für Theatergruppen ist der Männermangel. Daher teilen sich zwei Schülerinnen, Kim Thomae und Sanja Vorwig, die männliche Hauptrolle – die Teilung ist notwendig, da sich Scrooge in Rückblenden teilweise selber sieht und somit doppelt auf der Bühne vorhanden ist. Den jungen Scrooge spielt Eric Brüggemann. Kim: »Dazu haben wir uns Biographien für die Figuren angelegt, Charaktereigenschaften besprochen und trainiert, wie man sich als Mann bewegt.« Erste Kostproben gibt es schon heute: Von 16:45 bis 17:00 Uhr singt das Ensemble einige der Lieder auf der Weihnachtsmarkts-Bühne, verknüpft mit der Versteigerung von Werken aus dem Kunstunterricht am Alde.

 

Soester Anzeiger (kb), 25.11.2011

 

Die Premiere ist am Samstag, 10. Dezember, um 20 Uhr. Weitere Vorstellungen sind am 16. und 17. Dezember, jeweils um 20 Uhr, und am 18. Dezember um 16 Uhr, stets in der Alde-Aula.

Der Eintritt beträgt 5 Euro, ermäßigt 3 Euro.

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