Geheime Botschaften
von Dr. Albert Kapune
Würden Sie Ihre PIN auf eine Postkarte schreiben? Sicher nicht! Unsere moderne Gesellschaft ist auf Sicherheit angewiesen – Sicherheitstechnik begleitet uns auf Schritt und Tritt. Wir bemerken sie kaum noch. Sicherheit war auch in der Vergangenheit wichtig. Gerade in Kriegszeiten:
»Per Funk wurden wichtige Befehle übertragen. Wenn der Gegner die Befehle kannte, wären die meisten Aktionen nutzlos gewesen – im Gegenteil: Der Gegner hätte einen Vorteil gehabt, da er den Plan kannte, womit der Befehlshabende natürlich nicht rechnete.«, erklärt Hannah Stoll. Anders als heutzutage wurden bis Mitte des letzten Jahrhunderts in erster Linie direkte Verschlüsselungsverfahren verwendet, bei denen Buchstaben nach bestimmten Prinzipien vertauscht wurden. Diese Entwicklung begann vor der Geburt Christi mit einfachen Verfahren wie der Cäsar-Verschlüsselung und fand seinen Höhepunkt mit der Entwicklung der Enigma: Einer sehr komplexen Chiffriermaschine. Wie muss man sich die Enigma vorstellen? Hannah Stoll: »Wie eine alte Schreibmaschine. In der Maschine waren mehrere Walzen, die sich wie in einem alten Tachometer drehten. Mit jedem neu eingegebenen Buchstaben drehten sich die Walzen und die Verschlüsselung änderte sich.«
In ihrer wissenschaftlichen Arbeit, die im Rahmen des Projektkurses Mathematik entstand, geht Hannah auch auf die Geschehen während des zweiten Weltkrieges ein. Die Enigma wurde von den Deutschen als sicher eingestuft - man sollte 14000 Jahre benötigen, um sie zu knacken. Doch es kam anders. In nur wenigen Jahren gelang es Mathematikern, in diesem Zusammenhang ist der Name Alan Turing hervorzuheben, die Enigma zu knacken. Um das nachzuempfinden implementierte Hannah die Enigma in einer Tabellenkalkulation. Bei dieser Detailarbeit zeigte sich, wie viel Know-How bereits in dieser Maschine steckte.
Im Nachhinein behaupten viele, dass das Knacken der Enigma kriegsentscheidend war. Um sie zu knacken benötige man zum einen viel Fachverstand – zum anderen auch ein wenig Glück. Die Deutschen haben immer bestimmte Sequenzen gesendet, was das entschlüsseln erleichterte. Dr. Pallack, der den den Projektkurs Mathematik leitet, erklärt »… dass dieses Projekt ein Musterbeispiel für fächerübergreifendes Arbeiten ist.« Die Bedeutung von Mathematik für die Welt wie wir sie jetzt kennen ist vielen nicht bewusst. Die heutigen Verschlüsselungsverfahren beruhen auf Primzahlen – und auch heute glaubt man wieder, dass diese Verfahren faktisch unknackbar sind. Hoffentlich behalten die Experten recht; anders als damals ist heute jeder Mensch auf verlässliche Verschlüsselungstechniken angewiesen.
