Fee Merlevede hat beim Bundeswettbewerb Fremdsprachen die Endrunde erreicht
von Dr. Albert Kapune
Dieses Wochenende darf die 18-Jährige mit 37 Finalisten aus ganz Deutschland um die ersten Wettbewerbs-Plätze streiten. Auf den Teilnehmern lastet ein enormer Druck: Die besten Schüler erhalten hochwertige Stipendien, Sprachreisen, Sommerkurse im Ausland und Geld- und Sachpreise. Über 1000 Schüler haben sich für den Bundeswettbewerb beworben.
Fee Merlevede ist in Soest geboren und aufgewachsen. Weil ihre Eltern belgischer Nationalität sind, besitzt sie keinen deutschen, sondern einen belgischen Pass. Um die Verwandtschaft zu besuchen, fährt die 18-Jährige mit ihrer Familie regelmäßig nach Belgien. Daher ist Fee Merlevede von klein auf mehrsprachig aufgewachsen: Ihre Muttersprachen sind Deutsch und Flämisch, Französisch lernt sie seit der fünften und Englisch seit der siebten Klasse. Außerdem hat sie das Latinum geschafft. Wie sie sich auf den Wettbewerb vorbereitet, beantwortete Fee Merlevede im Interview mit David Zwadlo.
Du hast es in die Endrunde des Bundeswettbewerbs Fremdsprachen geschafft. Bist Du stolz darauf?
Fee: Bei mir überwiegt bis jetzt noch die Angst. Ich kann noch gar nicht so richtig realisieren, dass ich es in die vierte Runde geschafft habe. Alle sagen mir zwar, »Sei stolz darauf, was Du geschafft hast!«, aber ich fühle vor allem Panik.
Wie zeigt sich diese Panik?
Fee: Ich fühle mich gestresst und lerne ganz viel.
Was lernst Du?
Fee: Wir sollen uns über gesellschaftspolitische Themen informieren, und zwar aus den Ländern, deren Sprachen wir sprechen. Also habe ich mich zum Beispiel mit der Rentenreform in Frankreich beschäftigt oder mit den Wahlen in Belgien. Über England muss ich mich jetzt noch informieren.
Warum hast Du dich überhaupt bei dem Sprachwettbewerb beworben?
Fee: Meine Französischlehrerin hat mich gefragt, ob ich Lust dazu hätte. Und ich dachte mir: Die Chance kannst Du nutzen. Und ehrlich gesagt: Ich habe gar nicht gedacht, dass ich so weit komme. Ich wollte es einfach nur ausprobieren.
Was sagen Deine Freunde, dass Du es so weit geschafft hast?
Fee: Die freuen sich und sind auf jeden Fall stolz auf mich.
Helfen Dir Deine Freunde beim Lernen?
Fee: Neee. Die unterstützen mich alle total und versuchen mich zu entlasten. Und meine Lehrerin hat mir angeboten, dass ich auch ein bisschen früher von der Schule nach Hause gehen kann. Aber sonst kann mir eigentlich keiner helfen.
Was erwartet Dich am Samstag?
Fee: Es geht früh los. Um acht Uhr habe ich meine ersten Prüfungen. Zuerst kommen die Gruppendiskussionen. Dabei wird nicht nur auf die Sprache geachtet, sondern auch auf die Argumentation und die Kommunikation mit den anderen Teilnehmern. Danach geht’s in die Einzelprüfungen: Französisch, Englisch und Niederländisch, jeweils 20 Minuten. Und Abends mache ich noch beim TOEFEL-Test mit, das sind noch einmal viereinhalb Stunden. Am Sonntag habe ich frei.
Welche Chancen rechnest Du dir selber aus?
Fee: Ich bin ganz pessimistisch eingestellt. Viele Teilnehmer sind Schüler von speziellen Sprachinternaten. Die sind richtig fokussiert auf Sprachen und auf den Bundeswettbewerb. Deswegen glaube ich nicht, dass ich so gute Chancen habe.
Soester Anzeiger, 11.11.2010 (David Zwadlo)
