»Einige sind Scharlatane«

von Dr. Albert Kapune

Vortrag E. Eppler

»Ich habe in meinem Leben eine Menge Kritik einstecken müssen, aber Kritik an meiner Glaubwürdigkeit war nie dabei.« Der weißhaarige alte Herr, der diesen Satz gestern mit unverkennbarem Stolz in der Aula des Aldegrever-Gymnasiums sagte, war Erhard Eppler – Minister unter drei Kanzlern, SPD-Linker und engagierter Christ in der Evangelischen Kirche Deutschlands. Kein Wunder also, dass Schulleiter Martin Burghardt, nach eigenen Angaben selber ein »Kind der 68er«, den mittlerweile 82-jährigen Eppler eingeladen hatte, mit Schülern der Jahrgangsstufen 11 und 12 über »Glaubwürdigkeit in der Politik« zu reden.

 

Für den in zahlreichen politischen Schlachten in Ehren ergrauten Eppler sind solche Veranstaltungen kein Neuland: Unter dem Motto »Erfahrung packt an« gehört er zu einer ganzen Reihe von SPD-Veteranen, die ihren reichen Erfahrungsschatz in Gesprächen mit jungen Menschen bundesweit teilen. Bevor Eppler in eine Diskussion mit den Schülern einstieg, las er Passagen aus seinem Wörterbuch der politischen Sprache vor, das er vor 17 Jahren unter dem Titel Kavalleriepferde beim Hornsignal geschrieben hatte. Für Eppler ist klar: Die Sprache verrät viel über tatsächliche Ziele und auch Glaubwürdigkeit von Politikern. »Als junger Mann hatte ich in den Kriegsjahren am eigenen Leib erlebt, wie uns die Nazis mit ihrem Sprachgebrauch manipuliert haben«, erklärte er, warum für ihn bestimmte Begrifflichkeiten, die oft und gerne von Politikern benutzt werden, so entlarvend sein können.

 

Aber der Ex-Minister, der sich längst aus der aktiven Politik zurückgezogen hat, warb auch um Verständnis dafür, dass nicht alle Politiker über einen Kamm geschoren werden sollten: »Es sind sicher auch einige Scharlatane unterwegs«, räumte er ein, »aber die meisten wollen das umsetzen, was sie sagen.« Koalitionen bringen Kompromisse mit sich Anders als in anderen Ländern müssten sie dabei aber mit »systembedingten« Problemen kämpfen. So hätten in allen Koalitionen der Nachkriegsgeschichte Kompromisse gefunden werden müssen, die teilweise fern der zuvor angekündigten politischen Ziele gelegen hätten. Darüber hinaus führe die Mitwirkung von Bundesrat und Bundesverfassungsgericht am Gesetzgebungsprozess in aller Regel dazu, dass am Ende kaum einmal genau das Gesetz würde, was eigentlich von der Regierung angekündigt worden war.

 

Soester Anzeiger, 12.09.2009

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