Eine Lesung gegen das Vergessen
von Dr. Albert Kapune
Zum 70. Gedenkjahr der Befreiung von Auschwitz las der Schriftsteller Pete Smith jetzt an seiner ehemaligen Schule, dem Aldegrever-Gymnasium, aus seinem Buch »Endspiel« vor. Er möchte daran erinnern, das Geschehene nicht zu vergessen und dass aktuelle Ereignisse unverkennbare Parallelen ziehen. Das Buch handelt von Lionel, der an seiner Dissertation arbeitet und in seinem Nebenjob im Altersheim den Rentnern eigentlich nur das Internet erklären soll. Dabei trifft er auf Elena Morgenstern, die ihm Aufzeichnungen von ihrer Flucht, dem Krieg und dem Leidensweg ihres Mannes in und nach Auschwitz mitgibt. Sie bittet ihn, das Andenken ihres Mannes Seraphim, der nach dem Krieg Selbstmord beging, zu bewahren.
Mit diesem Hintergrund liest Smith einige Textpassaen vor: Wie der Student zu Elena findet und von dem harten Fluchtweg Elenas – Hunger, Tod und Furcht als stetige Begleiter. In der anschließenden Diskussion hatten die Schüler viel Raum für Fragen an den Autor. Sie wollten wissen, wie ein Schriftsteller arbeitet, wie er recherchiert und wie insbesondere Smith auf die Idee zu seinem Buch gekommen ist. Der Autor berichtete zum einen von persönlicher Seite, dass sein Vater als Immigrant in Deutschland es oft schwer gehabt habe. Zum anderen stellte er dazu jedoch auch eine wichtige Frage in den Raum: »Was passiert, wenn der letzte Zeitzeuge dieser Ereignisse stirbt? Ich möchte das Andenken aufrecht erhalten«. Er knüpfte auch an die aktuelle Situation an: »Geschichte wiederholt sich. Gewalt, Krieg oder Völkermord sind als Themen aktueller denn je, und vor allem das begleitende Gedankengut ist leider aus einigen Köpfen noch nicht verschwunden«. Smith wandte sich gegen Fremdenangst und plädierte für Offenheit in der momentanen »Geduldsprobe für unsere Demokratie«: »Wir verlieren nichts, sondern gewinnen etwas dazu«. Auch Schulamtsleiter Thomas Nübel, der mit Lehrer Bodo Dreves die Veranstaltung leitete, äußerte ähnliche Gedanken. Die Schüler sollen diese Werte »Multiplikatoren« nach außen tragen, um das Bewusstsein der Gemeinschaft zu verbessern.
Als Gasthörer waren Schüler vom Archi- und vom Conradvon- Soest-Gymnasium dabei. Das Buch wird Autor Pete Smith noch lange begleiten. In seinem Projekt will er sich in anderer Art und Weise mit dem Thema »Erinnern und Vergessen« auseinandersetzen.
Soester Anzeiger, 27.11.2015 (pw)
