Eine Frage von Leben und Tod

von Dr. Albert Kapune

Walter Rehling

Europa ist so viel mehr als eine Idee oder die schier unübersehbare Vielfalt von Institutionen, Regelungen und Zuständigkeiten. Europa ist ein Lebensraum, der Menschen prägt – und zwar auf ganz verschiedene Weisen. Wie verschieden das sein kann, wurde vielen Alde-Schülern jetzt spätestens beim Europatag ihrer Schule bewusst. Besonders eindringlich schilderte mit dem 90-jährigen Walter Rehling aus Schwerte ein Mann in der Aula des Alde Erlebnisse aus seinem Leben, für den es um Leben oder Tod ging, als er seine ganz eigenen Erfahrungen mit »europäischer Zusammenarbeit« machte. Der pensionierte Ingenieur wurde im Januar 1944 mit seinem Nachtflieger in Bayern abgeschossen. Er wäre unweigerlich in den Trümmern verbrannt, wenn ihn nicht eine junge Russin und ein Franzose, beide aus nahegelegenen Lagern für Arbeitskräfte und Kriegsgefangene, im letzten Moment gerettet hätten.

 

Dieses Drama war aber nur der Beginn einer ganz besonderen europäischen »Dreiecksgeschichte«. Zehn Jahre nach dem Abschuss traf Rehling seine Retter nämlich wieder: Die Französin hatte den Russen in der Zwischenzeit geheiratet, beide suchten aktiv nach dem Deutschen, den sie aus den Flammen gezogen hatten – mit Erfolg: 1954 trafen sich alle Drei wieder, ein Treffen, aus dem eine lebenslange Freundschaft wurde. Rehling schilderte aber auch seine Erfahrungen mit dem »Verführer« Hitler und wie ihm so viele Menschen auf den Leim gehen konnten. Angesichts seines Lebensweges verwunderte es nicht unbedingt, dass Europa für Rehling eine ganz besondere Bedeutung hat und er die Zukunft der europäischen Union mit viel Zuversicht sieht. »Europa hat eine klare große Zukunft«, erklärte er in seinem Schlusswort. »Wir sind auf einem guten Weg, die momentanen Schwierigkeiten zu überwinden«. […]

 

Soester Anzeiger, 06.05.2013 (kim)

Die Erinnerungen von Walter Rehling

Bewegte Vergangenheit (507,5 KiB)

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