Die Attentate in Paris
von Dr. Albert Kapune
Das Kollegium und die Schülerschaft des Aldegrever-Gymnasiums haben die Attentate in Paris am Wochenende des 13. bis 15. November mit Entsetzen und mit großer Anteilnahme verfolgt. Die privaten und schulischen Verbindungen nach Frankreich, besonders zu den beiden Partnerschulen, sind intensiv und haben zu sofortigen Kontaktaufnahmen geführt, um die Verbundenheit zum Ausdruck zu bringen. Die Kolleginnen und Kollegen haben am Montag allen Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit gegeben, in den kleinen und einander vertrauten Klassen- und Kursgruppen vertrauensvoll über Sachinformationen und individuelle Ängste sprechen zu können. Die Betroffenheit war und ist sehr groß.
Was bedeuten diese Anschläge für unsere Schule, für uns Lehrkräfte? Wir wollen
- junge Menschen zu Toleranz erziehen und ihnen durch den Fremdsprachenunterricht und die Schüleraustausche die direkte Begegnung mit Menschen anderer Nationen und Kulturen ermöglichen;
- durch Erziehung zur Mündigkeit religiösem und politischem Extremismus vorbeugen;
- im Unterricht die Begriffe Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit mit Leben füllen, indem wir sie im schulischen Bereich und im täglichen Umgang miteinander als täglich neu zu erfüllende Verpflichtung ansehen.
Um diese Ereignisse zu verarbeiten, gab es für die Kolleginnen und Kollegen und für die Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit, sich an einem besonders gestalteten Bereich auch in ein Kondolenzbuch einzutragen. Diesen Bereich, der mit den Worten compassion et solidarité (Mitgefühl und Solidarität) überschrieben ist, haben viele Schülerinnen und Schüler genutzt, um innezuhalten.
Und um unseren Partnerschulen in Frankreich, dem Lycée Pierre d’Ailly in Compiègne und dem Collège Paul Eluard in Roncq unsere Anteilnahme auszudrücken, haben wir den beiden Kollegien folgenden Brief der Anteilnahme gesendet:
Liebe Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrtes Direktorium des Lycée Pierre d’Ailly ìn Compiègne und des Collège Paul Eluard in Roncq!
Mit Entsetzen haben wir die Nachrichten von den furchtbaren Anschlägen in Ihrer Hauptstadt gehört und möchten auf diesem Wege Ihnen unser tiefes Mitgefühl aussprechen! Terroristen haben unmenschliche Verbrechen an Ihren Landsleuten begangen, viele – vor allem junge – Menschen sind tot, sehr viele schwer verletzt und für Ihr Leben gezeichnet.
Wir hoffen, dass unter diesen niemand ist, den Sie persönlich kennen. Es ist unfassbar, dass in Paris deshalb Menschen sterben mussten, weil sie ein Fußballspiel sehen, Essen gehen, ein Musikkonzert live erleben wollten. Wie verblendet müssen Menschen sein, die solche kulturellen Betätigungen, die das Leben lebenswert machen, die eine freiheitliche Gesellschaft, die uns solches ermöglicht, als »Teufelswerk« ansehen und noch dazu die Religion zur Rechtfertigung ihrer abscheulichen Taten missbrauchen.
Wir denken in diesen dunklen Stunden an Sie und wünschen Ihnen und uns, dass unsere freiheitlichen Lebensgrundlagen von allen juristisch und politisch Verantwortlichen geschützt werden. Wir wünschen Ihrer Nation, Ihrer Schule und Ihren Schülern, Ihnen selbst und Ihren Familien in diesen schicksalhaften Tagen die Kraft, Angst- und Ohnmachtsgefühle in Zukunft überwinden zu können. Wir sind in Gedanken bei Ihnen. Uns verbinden die gleichen europäischen Werte: NOUS SOMMES UNIS!
