COMENIUS-Tag 3
von Dr. Albert Kapune
529? Ora et labora? Bildung als Auftrag? Verzicht als Bereicherung? Mit diesen und weiteren Fragezeichen gewappnet zog es die Comenius-Gäste des Aldegrever-Gymnasiums am Mittwoch, dem 21. September, ins Kloster Dalheim bei Paderborn. Begleitet wurden die Delegationen aus Polen, der Slowakei und der Türkei von einer Gruppe aus Alde-Schülern, die mit den internationalen Gästen schnell über Europas Erbe ins Gespräch kamen.
Nach einer kurzen Führung durch das seit 1803 säkularisierte Kloster widmete sich die Gruppe intensiv der momentanen Ausstellung des Klostermuseums. Unter dem Titel Die Macht des Wortes zeichnet diese noch bis zum 31. Dezember ein wichtiges Kapitel der europäischen Kultur- und Bildungsgeschichte nach, indem der Einfluss benediktinischen Mönchtums beleuchtet wird. Insbesondere die Grundlagen benediktinischen Klosterlebens wurden anhand der Ausstellung verdeutlicht: Beten und Arbeiten (ora et labora) als Grundpfeiler klösterlicher Gemeinschaft wurden eindrucksvoll ergänzt durch den Aspekt des Lesens, der stellvertretend steht für die Bildung des Menschen.
Auch die strikte Einhaltung eines klösterlichen Tagesablaufs und die Maxime, durch Verzicht Bereicherung zu erfahren, beeindruckten alle Teilnehmer nachhaltig. Viele fragten sich, was sie »abzulegen« bereit wären, um auch in unserer konsum- und medienorientierten Welt den Blick auf das Wesentliche zu schärfen.
Allerdings beließ man es bereits beim Gang durch die Ausstellung nicht bei der Theorie und dem »Konsumieren« von Informationen. Vielmehr wurden die Schüler selbst ein lebendiger Teil der Ausstellung: Sie schlüpften in die Rolle weltlicher und religiöser Größen und präsentierten in kurzen Theaterszenen deren Leben und Wirken. »So konnte man sich viel besser in die Geschichte hineinversetzen«, benannte Alde-Schülerin Kim Thomae den großen Vorteil dieser aktiven Mitgestaltung. Die Zusammenarbeit zwischen deutschen und ausländischen Schülern funktionierte hervorragend und verdeutlichte so neben der Freude an der Beschäftigung mit europäischer Geschichte auch ein Grundanliegen des Comenius-Projekts: Internationale Schülergruppen arbeiten und diskutieren gemeinsam über die Grundlagen Europas.
Nach einem stärkenden Mahl in der Klosterwirtschaft wurden dann die Ergebnisse des Tages reflektiert und ein Ausblick geworfen auf die weitere gemeinsame Projektarbeit. Passenderweise fand diese Veranstaltung in der alten Klosterschule statt, wo einst Novizen und Schüler aus dem Umland in den Genuss von Bildung kamen. Im Anschluss erkundeten Gäste und Schüler noch in Kleingruppen das weitläufige Klostergelände, bevor es per Bus wieder zurück nach Soest ging. Dort erwartete sie dann bereits das nächste Highlight, ein von Lehrerinnen und Schülern des Aldegrever-Gymnasiums vorbereitetes Comenius-Menü in der Soester Abteilung des Schulministeriums.
Im Jahre 529 wurde übrigens das erste benediktinische Kloster in Montecasino eröffnet – ein Symbol dafür, dass der Bildungsauftrag schrittweise in kirchliche Hand überging. Fast anderthalb Jahrtausende später liegt die Bildung wieder primär in außerkirchlicher Hand. Aber diese knapp 1500 Jahre europäischer Geschichte überbrückten die beteiligten Alde-Schüler und die Comenius-Partner spielend – und eben (schau-)spielerisch.
Christian Krampe
