Ballwechsel nötig: Alles Einbildung?
von Dr. Albert Kapune
Auch die unsportlichen wissen: Irgendwann werden Tennisbälle ausgetauscht und landen im Hundekörbchen oder sogar im Müll. Ob ein Ball ausgetauscht werden muss entscheiden die Spieler. Doch nach welchen Kriterien wird das entschieden und sind diese Kriterien auch wissenschaftlich erfassbar?
Diese Frage hat sich die passionierte Tennisspielerin Anna Protte gestellt. Am Anfang stand die Hypothesenbildung: »Eigentlich bin ich der Meinung, dass ältere Tennisbälle nicht mehr so gut springen. Doch wie misst man ›gut springen‹? Ich habe dann erst einmal eine Messapparatur entwickelt, mit der Bälle beim Abspringen beobachtet werden können.« erläutert Anna Protte. Die ersten Versuche wurden noch mit einer Digitalkamera unternommen. Dabei wurde häufig nicht der richtige Moment aufgenommen. Bei Recherchen stieß die Alde-Schülerin jedoch auf Applikationen für das iPad, die speziell für solche Zwecke programmiert wurden. Damit werden nun die Untersuchungen durchgeführt.
Und gibt es bereits erste Ergebnisse? Anna Protte: »Ja und nein. Man muss Bälle ja unter wissenschaftlichen Bedingungen altern lassen. Meine ersten Versuche das selbst zu schaffen, indem ich einige Bälle mehrere Hundert mal gegen eine Wand spielte, führten nicht zu einem veränderten Sprungverhalten. Dann habe ich mit Firmen Kontakt aufgenommen, die sich mit solchen Alterungsprozessen auskennen. Jetzt werden Tennisbälle in einer Maschine zum Altern gebracht mit der man normalerweise Stühle auf Haltbarkeit testet.«
Dr. Andreas Pallack betreut das Projekt und muss gestehen, »… dass ich über Tennisbälle noch nie so intensiv nachgedacht habe. Die Messungen von Anna zeigen, dass es gar nicht so leicht ist den Spielkomfort zu messen. Tennisbälle werden eben ausgetauscht, wenn der Spieler es für richtig hält. Bei Profiturnieren werden meist Druckbälle gespielt. Hier ist klar, warum sich die physikalischen Eigenschaften verändern – bei den Standardbällen ist das wohl weitgehend ungeklärt.«
Anna hat bereits viele, viele Messreihen dokumentiert und freut sich nun bald die Ergebnisse zusammentragen zu können: »Es war nun doch viel mehr Arbeit als gedacht, aber letztendlich wird die Sache wohl rund, auch wenn die Effekte nicht so deutlich sein werden, wie ich zu Beginn dachte.« Zurzeit schreibt Anna Protte über ihre Forschung eine Arbeit. Besonders gespannt ist sie jedoch darauf, ob ihr Tennisspiel mit dem vielen Wissen über Tennisbälle noch besser wird.
