»Amerika hat keine Fußgängerzonen«
von Dr. Albert Kapune
Ruck-Zuck durch das deutschsprachige Europa: Auf ihrer Reise legen die amerikanischen Schüler von der Haddonfield High School ein enormes Tempo vor: Rothenburg, Liechtenstein, Luzern, Heidelberg, und Soest nehmen sie natürlich auch noch mit.
Bis Samstag sind die jungen Amerikaner noch in der beschaulichen Kleinstadt, verbringen ihre Tage zusammen mit ihren Gastschülern am Möhnesee oder in den zahlreichen Cafés und Kneipen der Soester Innenstadt. Alkohol, eines der großen amerikanischen Tabuthemen, stellt hier kein Problem dar: »Ja, die Schüler dürfen Alkohol trinken«, bestätigt Lehrer Christopher Gwin. In Amerika darf man das erst ab 21 Jahren, hier schon ab 16.
Christopher Gwin unterrichtet Deutsch und Sozialkunde und ist schon etliche Male hier gewesen. Von den 760 Schülern an der High School lernen knapp 110 die deutsche Sprache — eine enorm hohe Anzahl, wie Christopher Gwin feststellt: »Die meisten Amerikaner lernen nur Englisch und Spanisch. Das ist sehr ungewöhnlich, dass sich amerikanische
Schüler für Deutschland interessieren.«
Für die Schüler selber ist es eine »große Sache«, schließlich sind viele zum ersten Mal außerhalb der USA. Für manche sind es sogar die ersten Wochen komplett »alleine« ohne die Eltern. Schülerin Cathrin Kolaski (16) — die polnischen Wurzeln ihrer Familie fallen in Optik und Namen auf — mag die feinen Kulturunterschiede zwischen Europa und Amerika: »Die Cafés und Biergärten sind einfach toll. In Amerika haben wir nur Straßen und Kreuzungen, echte Fußgängerzonen gibt es dort nicht.«
Der Austausch wird nächstes Jahr fortgesetzt: Überraschungen sind garantiert, wenn die Gastschüler vom Alde in die USA fliegen.
Soester Anzeiger, 3. Juli 2009
