Alde-Nachwuchsdesigner hat eigenes Gewerbe angemeldet

von Dr. Albert Kapune

Lennart Wronkowitz

Ein 16-jähriger Aldegrever-Schüler, der eine eigene Mode-Kollektionen herausbringt, eine Homepage mit Online-Shop und TV-Channel pflegt und ein eigenes Gewerbe anmeldet - das ist ungewöhnlich. So ungewöhnlich wie sein Motto: »Sei etwas Einzigartiges auf dieser Welt.«

 

»Hi, ich bin Lennart«, begrüßt der Nachwuchs-Designer Besucher in seinem »Ronko Store«. Lennart Wronkowitz ist hübsch: Die Haare hochgestylt, eine Haut wie aus der Clearasil-Werbung, dazu blaue Stoffschuhe, eine graue Weste, gelbe Schnürsenkel am Handgelenk und ein T-Shirt, in dem eine schwarze Brille lässig eingehängt ist. Lennart designt nicht nur Mode – er verkörpert sie.

 

Sein Showroom, ein Raum in der Arztpraxis seines Vaters Frank Wronkowitz, ist mit elegantem Holzparkett ausgekleidet und nur wenige Meter vom Aldegrever-Gymnasium entfernt. Hier präsentiert der Jungdesigner seine Kreationen: Baumwoll-Shirts mit Lack-Applikationen, Blusen mit riesigen Blumenmotiven, Jacken im silber-violetten Space-Style; viele kräftige Farben, Stretch-Stoffe, aufgenähte Spitze und schwarzer Lackstoff, 80er Jahre und Pop-Art.

 

Lennart probiert immer wieder Neues aus, testet Stoffe und Schnitte und experimentiert bisweilen mit Sachen, die selbst sehr mutige Menschen kaum auf offener Straße tragen würden.

 

»Da gibt's so ein pinkes Teil«, sagt er und lacht, »das ist transparent, pinker Stoff mit weißer Spitze. Als nächstes möchte ich eine Jacke machen, die aussieht wie ein Diamant, mit Splittern. Das heißt, dass der Stoff sehr hart sein und überall spitz rausgucken muss. Das wird schwierig, aber ich versuch's.«

 

Angefangen hat Lennarts Leidenschaft mit einem Schulpraktikum in einer Werbeagentur, die auch bedruckte T-Shirts verkauft. In einer »langweiligen Stunde« fing Lennart an, eigene Zeichnungen auszuprobieren, »und da kam mir halt die Idee, selber mit T-Shirts anzufangen. Und das hat sich jetzt weiter entwickelt, mit Nähen und so.«

 

Mit der Zeit kam eins zum anderen: Er brachte eine Idee zu Papier, entwickelte einen Entwurf, nähte danach ein Kleidungsstück, fotografierte es und machte dafür Internet-Werbung. Inzwischen hat er einen Online-Shop und ein Gewerbe angemeldet.

 

Jetzt ist Lennart mit seinen 16 Jahren einer der jüngsten Gewerbetreibenden im Kreis Soest. »Das war etwas schwieriger, weil ich noch nicht volljährig bin, da musste ich erst zum Jugendamt und so«, erläutert er. In rechtlichen und wirtschaftlichen Fragen hilft ihm bisweilen sein Vater.

 

Lennarts Kollektionen wachsen ständig. Inzwischen hat er die dritte herausgebracht. Für ein T-Shirt braucht er knapp eine Stunde, für ein Kleid etwa vier bis fünf Stunden. Über 70 Stücke hat er schon kreiert. Sie werden von Schulfreunden und Familienmitgliedern, von seinen Kunden und sogar von Fiona Erdmann getragen, die bei »Germany’s Next Topmodel« einen der vorderen Plätze erreicht und einem Mode-Shooting im »Ronko Style« zustimmte.

 

Um sich weiterzuentwickeln, wünscht sich Lennart einen professionellen Nähkursus. Nach dem Abi am Alde will er an einer Modeschule studieren, am liebsten an der »ESMOD«, wegen der internationalen Ausrichtung. Bis dahin will Lennart weiter experimentieren, designen, verkaufen, fotografieren und filmen – eben alles, was ein 16-jähriger Unternehmer aus der Mode-Branche so tut.

 

Soester Anzeiger, 29.09.2009  

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