Abi in bewegten Zeiten
von Dr. Albert Kapune
Als die 32 Oberprimaner (Jahrgangsstufe 13) des Aldegrever-Gymnasiums kurz vor ihrem Abitur im Jahr 1961 zur Studienfahrt in die Hauptstadt aufbrachen, »da konnten wir noch frei durchs Brandenburger Tor marschieren«, erinnert sich Hartmut Nigge heute, ein halbes Jahrhundert später. Er und seine Klassenkameraden waren einige der letzten Jugendlichen, die Berlin ohne die Grenze erlebten, die die Stadt später für mehr als 28 Jahre lang teilen sollte.
Es war eine bewegte Zeit – politisch wie persönlich – in der die ehemaligen Alde-Schüler ihr Abitur machten, beim 50-jährigen Klassentreffen am vergangenen Wochenende war nun reichlich Zeit in den Erinnerungen zu schwelgen.
Wehrdienst ja oder nein? Die Frage, die sich auch heute noch – wenn auch vor völlig anderen politischen Hintergründen – viele junge Männer stellen, war auch vor 50 Jahren schon Thema auf dem Pausenhof. Ansonsten habe sich im Schulalltag, das wissen die ehemaligen Klassenkameraden von ihren Kindern und Enkeln, in 50 Jahren viel geändert. In meist kleineren Klassen habe man früher oft von 8 bis 14 Uhr der Klassenverband viel enger zusammen, als dies heute bei den viel größeren Jahrgangsstufen und dem oft gesplitteten Kurs-System der Fall sei.
Auch die Abiturprüfungen seien im Vergleich zu heute anspruchsvoller gewesen, finden die Ehemaligen. So wussten die Pennäler, anders als heute, vor der mündlichen Prüfung nicht, in welchen und wie vielen Fächern ihnen auf den Zahn gefühlt werden sollte.
Und dann gab es beim Klassentreffen der ehemaligen Alde-Abiturienten noch eine Premiere: Ein halbes Jahrhundert nach dem gemeinsamen Abschluss war es das erste Mal, dass die beiden Parallelklassen zu einem gemeinsamen Treffen zusammenkamen. Neben der Schulführung von Alde-Schulleiter Martin Burghardt zählte besonders der Besuch der ehemaligen Lehrer zu den Höhepunkten. Dr. Marie-Luise Beumling, Gerd Roden und Heinz Hengst kamen zum Wiedersehen ihrer Schüler.
Soester Anzeiger, 21.03.2011 (mo)
